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Wird der Aal in Österreich aussterben? Wenn ja, wann?

Der Versuch einer wissenschaftlichen Beantwortung

WiM, 03.11.09

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Wer kennt nicht die Geschichten von Aalfängen in großen Stückzahlen. Vor 15-20 Jahren waren gerade an unseren Seen im Salzkammergut noch Fänge von 10-20 Stück pro Nacht an der Tagesordnung. Solche Erzählungen habe ich schon lange nicht mehr gehört geschweige den selbst erlebt. In den letzten Jahren konnte ich in der Donau oder im Attersee zwar immer wieder Aale fangen. Es waren allerdings nie mehr als 2-3 Stück pro Tag.

Wer oder was ist aber schuld am Rückgang des Bestandes? Ich behaupte es gibt keinen Schuldigen – auch nicht der Ausbau der Wasserkraft. Der Aal ist mit Ausnahme des Flüsschens Lainsitz im Waldviertel nämlich kein einheimischer Fisch und kann sich in Österreich nicht natürlich vermehren!
 
Aber alles von Anfang an. Wie wir alle wissen kann der Aal nur in der Sargasso See laichen. Diese befindet sich im Atlantik in der Nähe der Bahamas. Aale im Laichfähigen Alter, je nach Breitengrad und Ökosystem zwischen 4-20 Jahren, treten die Reise bis in die Sargasso See an und sterben nach dem Ablaichen dort ab. Die Aale legen während ihrer Reise zur Sargasso See mehr als 5000km pro Jahr und ohne etwas zu fressen gegen den Golfstrom zurück. Die geschlüpften Larven schwimmen mit dem Golfstrom und erreichen als 7cm lange Glasaale, nach rund 3 Jahren, die europäischen Küstengebiete. Dann ziehen die Aale über die Flüsse zurück in ihre Heimatgewässer von wo sie nach einigen Jahren die beschwerliche Reise zur Sargassosee antreten.
 
Nach Angaben des WWF kommt der Aal der Atlantischen Küste Nordafrikas und Europas (inklusive Nordsee, Ostsee und Mittelmeer) sowie in Teilen Asiens vor. Wie wir alle wissen mündet die Donau allerdings in das schwarze Meer. Damit wäre der Aal in der Donau, mit all ihren Zuläufen, kein heimischer Fisch. Eine wissenschaftliche Begründung warum der Aal nicht über den Bosporus in das schwarze Meer zieht konnte ich leider nicht finden. Eine mögliche Erklärung liegt im niedrigen Sauerstoffgehalt der tiefen Schichten im Schwarzen Meer. Eine andere Möglichkeit wäre, dass für die Larven der Weg über das Mittelmeer bis zum schwarzen Meer, ohne die Unterstützung des Golfstromes,  zu weit ist.

In einer Entscheidung der Europäischen Kommission vom April 2008 wird festgehalten, dass das Schwarze Meer und die angeschlossenen Flusssysteme keinen natürlichen Lebensraum für den Europäischen Aal im Sinne der Verordnung (EG) Nr. 1100/2007 des Rates bilden. Diese Feststellung basiert unter anderen auf der folgenden, vorsichtig formulierten, Begründung.
 
„Es ist unwahrscheinlich, dass bei Einsetzung in die mit dem Schwarzen Meer verbundenen Flüsse eine umfangreiche Anzahl von Aalen die Geschlechtsreife erreichen und die Laichwanderung in die Sargassosee erfolgreich abschließen könnte. Außerdem ist es unwahrscheinlich, dass eine beträchtliche Anzahl junger Aale in die mit dem Schwarzen Meer verbundenen Flüsse aufsteigen, die Geschlechtsreife erreichen und dann ihre Laichgründe aufsuchen würde.“
 
Diese wagen Formulierungen zeigen wie unsicher selbst die Wissenschaft in dieser Frage ist.
 
Wenn nun aber die Donau keinen ursprünglichen oder nur einen sehr kleinen Aalbestand hat. Woher kommen und kamen die vielen Aale?  Die Erklärung dafür kann nur im Aalbesatz liegen.
 
Schon von 1909 gibt es Aufzeichnungen über Besatzmaßnahmen im Attersee. Damals wollte sich die Berufsfischerei eine weitere Einnahmequelle sichern. Der Aalbesatz erfolgte nicht nur im Attersee. Auch in vielen anderen Seen und Teichen und auch der Donau wurden und werden Aal besetzt. Seit den 70iger und 80iger Jahren geht allerdings der Aalbesatz massiv zurück. So wurde zum Beispiel im Attersee seit den 70iger Jahren kein Besatz mehr durchgeführt.
 
Da Aale normalerweise im Alter von max. 20 Jahren nach dem Ablaichen in der Sargasso See sterben wird häufig von diesem Wert als maximales Alter ausgegangen. Würde dieser Wert stimmen müsste der Aal am Attersee schon seit einigen Jahren ausgestorben sein. Er wird aber auch dort noch regelmäßig und in allen Größen gefangen. Also dürfte der Aal deutlich älter als 20 Jahre werden. Der WWF geht davon aus, dass Aale bis zu 50 Jahre, in Gefangenschaft sogar bis zu 80 Jahre alt werden können.
 
Warum aber gibt es zum Beispiel am Attersee sowohl kleine Exemplare von 50cm und große Exemplare von 1 Meter und noch mehr. Wachsen die Aale so langsam? Wird nach wie vor besetzt? Vielleicht kann diese Frage recht einfach über das Geschlecht der Aale beantwortet werden.
Im Gegensatz zu den weiblichen Aalen werden die männlichen Aale nämlich nur 50-60cm groß. Somit wären die kleinen gefangenen Aale Männchen und die großen Aale Weibchen.
 
Zur Beantwortung der Eingangsfrage hier die gesammelten Erkenntnisse:
  • Aale können sich (wahrscheinlich) in der Donau nicht auf natürlichem Weg vermehren.
  • Aale sind daher in der Donau kein heimischer Fisch.
  • Der aktuelle Aalbestand in Österreich stammt aus Besatzmaßnahmen.
  • Aale werden bis zu 50 Jahre alt
  • Der Aalbesatz erreichte in den 60iger Jahren seinen Höhepunkt und ist seit damals stark rückläufig.
 
Wird der Aal also in Österreich aussterben? Wenn ja – wann? Auf Basis der oben angeführten Erkenntnisse lautet die Antwort: „Ja, der Aal wird in Österreich in den nächsten Jahrzehnten langsam, aber sicher aussterben wenn kein weiterer Besatz erfolgt!“
 
 

Das der Aal trotzdem ursprünglich ein in Österreich heimischer Fisch ist, haben wir dem Bodensee und dem Flüsschen Lainsitz zu verdanken.  Dieser in Österreich entspringende Fluss hatte schon immer einen guten Aalbestand, da er über die Moldau und die Elbe mit der Nordsee verbunden ist.  Diesem gutem Aalbestand verdankt auch die Waldviertler Gemeinde Aalfang ihren Namen. Diese Gemeinde war bereits im 16 Jahrhundert für die guten Aalfänge an den künstlich angelegten Wehren bekannt. In den Bodensee gelangte der Aal über den Rhein.

Er überwand früher sogar nachweislich den 21 m hohen Rheinfall bei Schaffhausen (AMANN, pers. Mitt.). Die natürlichen Wanderstrecken
der Aale sind heute jedoch häufig durch Wehre und Stauwerke unterbrochen.
Spindler, T.: Fischfauna in Österreich, Umweltbundesamt 1997
 
Ich hoffe mir ist es gelungen etwas Licht in die Geschichte der Aale in Österreich zu bringen. Bei der Recherche zu diesem Text habe ich viele, mehr und weniger wissenschaftliche, Berichte gelesen und daraus meine Meinung gebildet. Mir ist klar geworden, dass sich selbst die Wissenschaftler in vielen Bereichen sehr unsicher sind und vielleicht das letzte Wort in der Geschichte der Aale im Donauraum noch nicht gesprochen ist.
 
In jedem Fall freue ich mich über Eure Meinung! Wenn du also noch weitere Informationen oder interessante Quellen zu diesem Thema hast melde dich ganz einfach unter redaktion@rotauge.at wir freuen uns!
 
 
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