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Kaviar on the Rocks

Inkontinenz an der Schottergrube?

Ferdl, 17.01.08

Void
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Vergangenes Wochenende saß ich mit meiner Renkenrute am Eisloch und „zupfte“ allerlei Weißfische auf 16er und 18er Nymphen. Vor genau einem Jahr hatte ich Ähnliches probiert, und so kam mir folgende Geschichte, die ich euch in der „fischarmen“ Zeit nicht vorenthalten will, wieder in den Kopf..

Alles beginnt an einem Freitagabend mit einer Spontanaktion. Eiligst wird aus dem Chaos, das nach der Herbstfischerei in meiner Ausrüstung herrscht, das Wichtigste zum „Eisen“ zusammengefummelt. Mit meinem Kumpel Stefan fahre ich an eine alte, abgelegene Schottergrube, aus der wir schon einmal Karpfen aufs Eis legen konnten. Dort angekommen, denken wir, das Eis wäre bereits geschmolzen, so klar liegt es im Scheinwerferlicht vor uns! Auch gut, schließlich haben wir für diesen Fall die „normalen“ Ruten im Gepäck. Doch es stellt sich heraus, dass noch eine relativ dünne Eisschicht vorhanden ist. Was nun? Wird uns das Eis tragen oder nicht? Ich nehme den Sack mit dem Futter zwischen meine Kiefer, und krabble, auf ein Holzpaddel gestützt und einer Hacke bewaffnet, aufs Eis, weg vom Ufer ins dunkle Ungewisse. Wenigstens habe ich Ohrenkontakt zu Steff, was Mut macht. Zumindest versuche ich mir das einzureden. Nach bangen Minuten komme ich an eine tiefe Stelle, wo ich zu hacken beginne. Nach einigen Schlägen bin ich durch, das ist zwar angenehm, gibt aber keinesfalls ein Gefühl der Sicherheit! Mit einem lauten Platscher verabschiedet sich dann auch noch die Axt im Wasser. Was soll`s, ein optimistisch großes Loch ist da, und ich füttere am Bauch liegend an. Am Weg zurück ans Ufer erinnert mich meine Fortbewegungsart irgendwie an meinen letzten Hund, kurz bevor er an Nierenversagen einging. Dort angekommen lacht mir Steff schon entgegen: „Was tuat der Ferdl nicht alles für ein paar Fischerl...!“ Zu guter letzt bin ich jetzt auch noch bis über beide Knie pissnass! Nicht dass ich vor Angst inkontinent geworden wäre, aber in all der Aufregung habe ich „vergessen“, für dieses Manöver die Watstiefel überzuziehen!
Wir verkriechen uns in den Schlafsäcken und vertreiben uns die Zeit mit Fachsimpelei in der kleinen, unbeheizten Hütte. Meine nassen Jeans (sonst hab ich immer Ersatzhosen dabei) hängen über einer Kerze zum Trocknen.
Draußen wird es hell, Stefan schläft immer noch recht lautstark und meine Hose ist noch gleich nass wie gestern! Nach der Morgenzigarette und einer „Hauptdichteprüfung“ der Eisdecke am Ufer skaten wir mit umgedrehten Bierbänken zur Gewichtsverteilung ans Loch, die Karpfen dürfen kommen! Nur leider haben wir die Rechnung ohne das Opfer gemacht, egal ob mit Wurm, Mais oder Maden, wir erhalten nicht einmal einen einzigen sachten Zupfer. Dabei wäre das warme Wetter doch lehrbuchmäßig ideal zu Friedfischfang im Winter! Was wir auch versuchen, es bleibt eine Nullnummer. Wir fischen eben nicht ein einem überbesetzten Karpfenpuff!
Es ist bereits Nachmittag, als ich mit Flockenfutter eine Wolke unterm Loch entstehen lasse und eine Hegene montiere. Drei selbstgebundene Renkennymphen gleiten am 14er – Vorfach zum Grund. Insgeheim hoffe ich, einen Silberkarpfen durch die Futterwolke anlocken zu können und der einen Haken mit einsaugt. Einige Zeit später schon überträgt das kurze Eisrütchen einen Biss in Handgelenk, „Passt Steff, der hängt!“. Der Fisch schwimmt große Kreise ums Loch, da kein Schnee am Eis liegt, ist dieses beinahe glasklar, der Gegner scheint uns von Weitem zu sehen und meidet peinlichst unsere Nähe! Gut zehn Minuten knie ich schon am Fleck und muss den Fisch gewähren lassen, mit dem filigranen Eisfischgerät habe ich keinerlei Chance, ihn zu dirigieren. Irgendwie hat ER MICH am Band....
 
Ich stelle erste Vermutungen über den Fisch an: „ Karpf is das keiner, wahrscheinlich ein Tolstolob oder ein Amur!?“ Da wir das Wasser erst seit zwei Jahren gepachtet haben, wissen wir noch nicht, was in der Kuhle so alles vor sich hin schwimmt. Steff grinst und meint auf seine bekannt trockene Art: „ Vielleicht is es ja die Hack.... ?“ Der Fisch steht am Platz, lässt sich nur ganz langsam stückweise heranziehen, um dann wieder eine Flucht von etlichen Metern hinzulegen. Das erste Bier während des Drills ist leer, Stefan reicht mir zweite Dose, und wir haben das Vieh noch nicht einmal gesehen!
Eine Stunde ist bereits vergangen, da kommt er das erste mal näher ans Loch, und wir erkennen die Umrisse eines gigantischen Fisches, der in der Relation zur Vorfachstärke ja wirklich ein Monster ist, ein U-Boot am Nympherl sozusagen! Kein Kescher, keine Waage da, was tun? Da fällt mir der Erich ein, ein Bekannter, der in der Nähe wohnt und für solche Trümmer gerichtet sein müsste. Ein kurzer Anruf und er kommt. Inzwischen sind beinahe zwei Stunden um, meine Figur schmerzt vom Knien auf dem harten Untergrund, ich will diesen Fisch haben! Schließlich kommt er endlich immer näher, die Kraft hat etwas nachgelassen, da sehen wir seinen Rücken, seine Flanken und dann.... dann sehen wir seine Schnauze: LÖFFELSTÖR!
 
Erichs Kescher ist zwar groß, aber im Vergleich zu diesem Fisch sieht er eher aus wie ein Teesieb. So steht eine Handlandung an. Erste Chance, Steff versucht die Schwanzwurzel zu umfassen, doch er scheitert am Gewicht des Fisches. Mit einem neuerlichen Kraftausbruch stürmt der Löffler davon und nimmt wieder Ewigkeiten lang Schnur. Gut, noch ist er dran. Fünf Minuten später die zweite Gelegenheit, Steff kriegt ihn dieses Mal am Löffel zu fassen (eine „eingebaute“ Landehilfe sozusagen) und zieht ihn mit einem „Bist du deppert!“ aus dem Eis. Da sehen wir es, die Nymphe hängt im Maulwinkel, der Riese ist also regulär gefangen und nicht „foulhooked“, der Wahn in Dosen! Als ich aufstehen will, fällt mir das schwer, da ich mit den Knien am Eis festgefroren bin.
 
Ich trage meinen Fang nach mehr als zwei endlos lang erscheinenden Stunden Drill unter Ächzen des Eises ans Ufer, wo wir ihn am Schlafsack liegend schonend vermessen: 138 cm! Das Gewicht können wir leider nicht ermitteln, da es das Vermögen der Waage übersteigt. Erich, der Erfahrung mit großen Karpfen hat, schätzt ihn, wie wir, auf 20 bis 25 kg!
 
Nach ein paar raschen Fotos trage ich meine exotische Beute zurück ans Eisloch, wo sie sich langsam mit einem Schwanzschlag verabschiedet und im Dunkel des Wassers verschwindet.
 
Petri, Ferdl


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