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Big Game

Hochseefischen bei Cabo Verde auf Marlin und Co.

Reisebericht - Big Game Angeln

Sepp, 26.06.07

Void
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Nachdem ich in rund 4 Wochen wieder einmal zu einem "Big Game Abenteuer" auf die Kapverden aufbrechen werde ist mir bei der Vorbereitung der Urlaubsbericht von meiner letzten Reise wieder untergekommen! Diesen möchte ich euch natürlich nicht vor enthalten:

Am 12.7.2003 um 4:00 Uhr startet das   MARLINATOR TEAM   mit dem Auto Richtung München.
Nach anstrengender Parkplatzsuche im riesigen Flughafen checken wir ein und warten bis zum Abflug der TACV Maschine zum Direktflug nach Sal. Um ca. 12:10 Uhr startet die Maschine.
 
 
Nach einem mehr als 7stündigen Flug landen wir auf dem Flughafen von Sal wo wir nach einigem Stress wegen dem Gepäck zum Inlandsflug nach S. Vicente eincheckten. Danach geht es weiter nach S. Vicente.
 
Gespannt warteten wir am kleinen Flughafen, ob wir unsere Gepäckstücke auch wirklich bekommen würden……… - und sie kamen.
 
Dr. Peter Döbler, sicher einer der erfahrensten Big Game Anbieter (hat 2003 seinen 1000endsten Marlin gelandet) erwartete uns schon vor dem Flughafengebäude.
Nach 18 Stunden Anreise waren wir endlich am Ziel.
 
Es war drückend schwül auf der Insel und nach fast 2 Jahren – der erste Regen. Peter Döbler fuhr mit seinem Geländewagen die ca. 10 km in die Stadt, wo wir in seinem prachtvollen Haus nach einer kurzen Regenerationspause ein feudales Abendessen einnahmen.
 
Wir übernachteten in schönen Gästezimmern Um 6:15 klingelte der Wecker.
Ich war bereits vor lauter Aufregung einige Minuten früher aufgewacht!
Peter klopfte an die Tür um uns zu Wecken, aber da waren wir bereits dabei unsere Sachen zusammen zu packen. Wir nahmen unsere Rucksäcke und machten uns auf den Weg in den Hafen von Mindelo. An Bord waren die beiden Crewmitglieder Skipper Kalou und Chi, die uns während dieser Woche begleiteten.


 


13.7.2003    Der 1. auf See
 
Alle an Bord und mit Vollgas ging es in den Norden von S. Vicente, wo Peter einige gute Stellen für Marline kennt.
Wir waren sehr angespannt als die Crew die 80 lbs Ruten mit den Jigs bestückten und wir auf Schleppgeschwindigkeit gingen (ca. 7-8 Knoten = ~15 km/h). Nach ca. 30 Minuten Schleppen wurde uns durch den Ruf „STRIKE“ der erste Adrenalinstoß an diesem Tag versetzt.
Leider krümmte sich die Rute nur kurz und der Fisch konnte sich trotz der sofort eingeleiteten Vollgasphase des Skippers wieder vom Haken lösen. Ein gutes Ohmen!?
Wir waren natürlich enttäuscht über die Situation, doch mitten in diese Enttäuschung erschallte erneut der Ruf des Skippers „Strike“. Wir beschleunigten mit Vollgas und die 80 lbs Shimano-Spule kreischte unter der Last. Ich schnallte mir das obligate Harnes um, sprang in den Kampfstuhl, schnappte mir die Rute, und fixierte mich mit den beiden Karabinern an der Multi! Der Fisch nahm indes immer mehr Schnur von der Rolle. Das Boot wendete, so dass ich langsam zu Drillen beginnen konnte. Meter um Meter spulte ich die Leine ein plötzlich ein Ruck an der Rute und wieder nahm der Fisch die zuvor mühsam eingespulte Schnur von der Rolle. Das Schauspiel wiederholte sich einige male. Ich genoss jede Sekunde des Drills und nach ca. 25 Minuten Kampf schlug der Karabiner des Vorfaches an die Rutenspitze und der Marlin war am Boot . Es war ein wunderschön gezeichneter blauer Marlin von rund 200 Pfund. Der Fisch wurde von der Crew gesichert und ich konnte „Kontakt“ mit meinem Marlin aufnehmen. Ich berührte das Horn und schaute ihm in die riesigen blauen Augen. Nach ca. 1-2 Minuten „Regeneration“ wurde der Fisch wieder den Fluten des Atlantik übergeben und er verabschiedete sich mit einem Peitschenschlag mit der Schwanzflosse.

Das oberste Ziel für diesen Urlaub war erreicht. Alles was jetzt noch kommen würde war eine Zugabe.

 
Das Wetter wurde nun etwas ruppiger. Es kam eine lange Dünung aus Norden, die sich an den Inseln zu meterhohen Wellen aufschaukelte. Wir warfen uns ein paar „Seekrankheitspillen“ ein und schleppten weiter.
Wir waren nun schon etwas lockerer und harrten der Dinge. Nach ca. 4 Stunden, wir beobachteten gerade gespannt die Blasenspuren der Jig´s, schoss plötzlich aus einer Welle heraus der Kopf eines weiteren Marlins. Wir trauten unseren Augen nicht und schauten wie versteinert zu wie der Marlin mit seinem Horn auf den Jig schlug. Nach kurzer Pause riefen wir gemeinsam „Strike“, und schon krümmte sich eine der 4 Ruten. Manfred, mein Freund schnappte sich das „Gerät“ und positionierte sich im Kampfstuhl. Der Fisch flüchtete in der Zwischenzeit unter dem Kreischen der Bremse einige hundert Meter und sprang wie im Film mit mehreren Schwanzschlägen aus dem Wasser. Plötzlich begann die Schnur einen sehr spitzen Winkel zur Wasseroberfläche einzunehmen - der Fisch Tauchte fast senkrecht ab. Manfred reagierte sofort und versuchte mit dem inzwischen angezogenen Handschuh, die Bremswirkung der Rolle zu verstärken. Der Skipper gab Gas um dies noch zu unterstützen. Ein unbarmherziger Kampf begann. Manfred pumpte wie ein verrückter um Kurbelumdrehung für Kurbelumdrehung den Fisch der Oberfläche näher zu bringen. Als wir die ersten Markierungen auf der Schnur sahen waren bereits fast 30 Minuten vergangen. Der Fisch war nun schon nahe am Boot doch plötzlich eine weitere Flucht. Die Folge war ein beinahe Salto von Manfred der darauf nicht gefasst war. Nach ca. 45 Minuten hatte er es nun endlich geschafft, der Karabiner des Vorfaches schlug an die Rutenspitze. Die Crew sofort zur Stelle versuchte den Fisch am Vorfach zu fixieren. Doch dieser begann nun wie ein verrückter zu toben und schlug mit der Schanzflosse an die Planken, dass wir eine unfreiwillige Dusche nahmen. Er Fisch war nicht zu bändigen und beide Crewmitglieder gingen fast über Bord, als der Fisch plötzlich unter das Boot tauchte. In diesem Augenblick – ein knall und das Vorfach brach unter der enormen last des 400 Pfünders. Manfred, schweißgebadet war einerseits glücklich über den super Drill, konnte aber dennoch die Enttäuschung über das gebrochene Vorfach nicht verbergen. Kaum 1 Stunde später, der nächste Strike. Doch auch dieser Fisch konnte sich wie der erste an diesem Tag wieder vom Haken lösen.
Es war ein Auftakt nach Maß! 
 
14.7.2003    2.Tag auf See
 

Wir starteten wieder ca. um 7:30 vom Hafen Mindelo. Als wir um die Wellenbrecher herumfuhren, erkannten wir, dass dieser Tag „sehr lustig“ sein würde - Schaumkronen am Horizont. Als wir uns ca. 1 km westlich von Mindelo befanden, ging der Tanz los! Haushohe Wellen schlugen an den Kiel des Bootes. Das Boot wurde von der Gischt eingehüllt. Wir schauten uns an und ich bemerkte, das kann ja heiter werden. Nach einigen Minuten in der unbarmherzigen See drehte der Skipper um und brachte uns näher an die Insel, wo es etwas ruhiger war. Wir gelangten so wieder in die Fanggründe. Um ca. 11:30 war Tidenwechsel. Kurz danach -„Strike“- der Ausleger bog sich bis zur Wasseroberfläche und mit einem Knall löste sich die Verankerung der Leine – Vollgas! Die Spule kreischte auf. Ich sprang wieder voll motiviert in den Kampfstuhl, doch als ich die Rute in die Hand nehmen wollte, war hatte sich der Fisch bereits wieder vom Haken gelöst. Na ja dachte ich, kann passieren. An den Wellengang und den Wind hatten wir uns inzwischen gewöhnt.

Gegen 16:00 Uhr kreiste plötzlich wieder eine der Rollen! Ich sprang wieder in den Kampfstuhl schnappte mir die 80er und landete nach kurzer Zeit einen ca. 1,2m langen Wahoo. Danach ging es wieder zurück in den Hafen.

15.7.2003      3.Tag auf See
 
Nachdem wir am Vortag nicht sehr erfolgreich waren beschlossen wir zur Nachbarinsel S. Nicolau zu fahren; ca. 3 Stunden Vollgas mit 2x300 PS. Wir schleppten noch einige Zeit und ca. um 15:00 im Windschatten von S. Vincente endlich der nächste Strike. Manfred war wieder an der Reihe und drillte wieder wie ein Vollprofi. Der Fisch schnellte ca. 200m vom Boot aus dem Wasser und verwandelte den Bereich in einen brodelnden Hexenkessel. Es folgte wieder ein schweißtreibender Kampf mit dem Marlin, der nach rund 30 Minuten zu Gunsten von Manfred endete. Der Fisch verabschiedete sich am Boot indem der das bereits fixierte Vorfach an der Schraube durchtrennte.
Als der Abend hereinbrach landeten wir glücklich über den Marlin im Hafen von S. Nicolao.
 
16.7.2003     4.Tag auf See
 
Wir starteten nach einer Nacht an Bord der Bibiche, so heißt das Boot von Dr. Peter Döbler wieder Richtung Südostküste von S. Nicolao. Ich war interessanterweise etwas nervös an diesem Morgen. Möglicherweise weil der nächste Strike wieder mir gehörte. Wir schleppten bis in die Mittagszeit erfolglos. Peter war schon etwas ungeduldig, da der Tidenwechsel bereits um 11:00 Uhr gewesen war und kein Strike erfolgte. Waren die Fische weiter gezogen???
Wir kauerten in der Kajüte herum und beschäftigten uns zur Ablenkung mit diversen sinnlosen Fotoshootings, als plötzlich mit einem lauten Knall der rechte Ausleger die Schnur freigab und die Spule mit dem bekannten Alarmton zu lärmen begann. Ich Schnallte mir den Harnes um setzte mich in den Kampfstuhl, nahm die Rute, und fixierte mich mit den Karabinern an der Rolle.
Die Schnur flog nur so von der Rolle. Ich versuchte mit meinem Handschuh die Flucht des Marlins etwas zu bremsen, doch erfolglos ich verbrannte mir dabei nur die Handfläche der linken Hand. Wir nahmen mit Vollgas die Verfolgung des Fisches auf. Doch dieser war nicht zu bremsen. Immer mehr Leine verschwand von der Spule, und zu allem begann der Fisch nun auch noch abzutauchen. So etwas hatten wir zuvor noch nicht erlebt. Es waren nur noch max. 80-100m Leine auf dem Spulenkörper( der fasst rund 800-1000m). Man konnte fast schon den Messingkern sehen als es endlich gelang einige Spulenumdrehungen Schnur auf die Rolle zurückzubringen. Ich kurbelte um mein Leben. Meter um Meter kamen wir dem Fisch näher. Dieser machte mir mit wilden Schwanzschlägen klar, dass er noch nicht gewillt war den Kampf aufzugeben. Doch schließlich kamen die Schnurmakierungen 100m und 50m immer näher an das Boot und endlich war ein dunkelblauer Schatten hinter dem Boot zu erkennen.
Der Fisch Stellte sich mit dem Kopf in die Gegenrichtung und machte keine Bewegung. Ich zerrte und pumpte wie ein wilder und endlich mit einer eleganten Drehung kam er auf das Boot zu. Ich pumpte noch einige male und mit einem lauten Knall prallte der Karabiner des Vorfaches nach gut 45 Minuten auf den Rollenring an der Spitze der Rute.
Kalou und Chi fixierten den 290 Pfünder und ich konnte nachdem ich alle Geräte abgelegt hatte zu „meinem“ zweiten Marlin in dieser Woche. Ich gab ihm zuerst einen Klaps auf das Horn und dann „überreichte“ mir Chi den Jäger der Meere, um die Regeneration des Fisches selbst durchzuführen.
 

 
Die Fische sind zumindest genau so fertig wie der Angler, da gekämpft wird bis nichts mehr geht. Das Boot wurde auf langsame Fahrt gebracht, und ich hielt den Fisch noch gut 2-3 Minuten am Horn, um frisches Meerwasser durch seine Kiemen zu leiten. Der Fisch begann in all seiner Pracht die Farben zu wechseln (von „Electric Blue“ über „Dunkelblau“ zu „Gestreift“ und schließlich wieder zu einem unvorstellbaren Blau). Dies war der Zeitpunkt, den großen Räuber wieder in die Fluten des Atlantik zu entlassen. Ich lockerte den Griff und der Marlin glitt langsam in das tiefblaue Wasser. Man konnte seine Siluette noch gut erkennen als er wieder in den Tiefen entschwand.
In solchen Augenblicken spürt man keine Müdigkeit und keine Schmerzen. Alles was bisher wichtig gewesen ist, scheint in unendliche Ferne zu entweichen und man fühlt und genießt nur noch Glück, Freude und Begeisterung. Diese Momente brennen sich so tief in das Unterbewusstsein ein, dass man sein Leben lang davon zehren kann
Das ist Big Game Fishing.
 
Als ich mich nach einiger Zeit wieder gefangen hatte begannen plötzlich die Finger an der rechten Hand zu schmerzen und ich erkannte, dass der Drill auch andere Spuren, nämlich 3 große Blasen an den Fingern der rechten Hand verursacht hatte. Doch das war angesichts der erreichten Erfolge nur noch Nebensache.
 
Rund eine Stunde Später, wir vertrieben uns wieder die Zeit mit Filmen, sah ich im Sucher meiner Cam wie wieder einer der Ausleger ausgelöst wurde. Die Spule gab das bekannte Kreischen von sich und Manfred begab sich wieder in Kampfposition. Der Fisch flüchtete -plötzlich ein Ruck und die Spannung in der Leine war weg. Manfred kurbelte wie wild, doch der Marlin hatte sich verabschiedet.

17.7.2003     5.Tag auf See
 
Rückfahrt nach S. Vicente – wieder mit Vollgas. An den Fanggründen angekommen wurden die Jigs ausgelegt. Doch an diesem Tag war außer wieder recht stürmischer See und einigen Vögeln kein Erfolg zu vermelden. Der erste „Schneider“ in diesem Urlaub.
 
 
18.7.2003     6.Tag auf See

Letzter Tag. Wir hatten unsere Erwartungen mehr als erfüllt und fuhren noch einmal locker und gut gelaunt an die Nordküste von Mindelo.
 
Wir schleppten wieder stundenlang erfolglos, als sich mit schrillem Ton wieder eine der Rollen meldete. Ich sprang auf und bevor ich in den Kampfstuhl kam war der Zauber wieder vorbei. Der Skipper sah den Fisch (ein gut 300 Pfünder).
 
Wir holten die Leinen ein letztes Mal ein und begutachteten die Köder. Der Jig auf den der letzte Strike erfolgte, hatte als Spuren des Angriffes eine abgebrochene Hakenspitze an einem der Haken. Das ist jetzt ein Souvenir und hängt in meinem Büro und die Spitze ziert sicher als „Nirosta Piercing“ das Horn des Marlins!
 
Wir kehrten trotzdem zufrieden nach Mindelo zurück und bereiteten uns auf den anstrengenden Rückflug nach München vor. Am Flughafen angekommen verabschiedeten wir uns von Peter, nicht ohne dem Versprechen in spätestens 2 Jahren wieder zu kommen.
 
 
Resümee:
Es war wieder ein überwältigendes Erlebnis den großen Räubern der Meere nachzustellen und diese nach großartigen Drills wieder in die Fluten zu entlassen.
 

Wenn man einmal einen Marlin berührt hat und ihm in seine überwältigenden riesigen blauen Augen geschaut hat, wird man dieses Abenteuer immer wieder suchen!

 

 

 

Euer Marlinator
(J. Muchitsch)
 
Nachsatz:
Eines sei noch gesagt: Big Game Fishing führt, so wie es auf den Kapverden praktiziert wird sicher nicht zu einer Bestandsverringerung dieser herrlichen Tiere. Es werden 99% der Fische releast!
Im Gegensatz zur Berufsfischerei, die mit Longlinern, die mit 40 km langen Leinen bereits vor den Küsten der Kapverden kreuzen und dass Meer entleeren, und der immer schlimmer werdenden Umweltverschmutzung.
 
©J. Muchitsch


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